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Das Alltagsblahblah
Die Doktor*Innen, die Pille und Ich

Ich bin Maturantin. Ein armes Wesen, dass Stundenlang damit verbringt sinnlose Dinge zu lernen um sie wieder zu vergessen. Das mache ich eigentlich normalerweise nicht und bin es auch überhaupt nicht gewohnt. Bis vor kurzem war Schule absolut kein Thema, weil auf der Waldorfschule ist es auch in Ordnung wenn man mal keine Lust hat. Das einzige was einem passieren konnte, wenn man mal ein Monat nicht aufgetaucht ist, war, dass einen besorgte Lehrer*Innen fragen, ob sie einem helfen können, in der schweren Lebensphase. Es war sehr schön und gerade letzten Donnerstag bin ich aus unserem Maturaklassenraum, indem externe (normale) Lehrer*Innen unterrichten, in den dritten Stock geflohen und hab den weiteren Tag auf einer der Couchen dort zu verschlafen. Das Alles ist aber eigentlich nur Randgeschichte zu dem, was ich eigentlich erzählen möchte. Was ich eigentlich erzählen möchte, ist, dass ich stress habe. Ich hab Stress weil ich zu den vielen Lernstunden auch noch ein Privatleben zu haben versuche. Ich gehe davon aus, dass man bei „normalen" Schüler*Innen den Wunsch nach Privatleben schon eingedämmt hat. Bei mir ist das Privatleben ziemlich ausufernd: Ich spiele in zwei Bands, in den letzten Jahren hab ich jedes Jahr ein Theaterstück geschrieben und auf die Bühne gebracht (das diesjährige, hab ich in der Zwischenzeit schon auf Eis gelegt) und Ich mache im Augenblick Presse und Organisationsarbeit für ein Kunstprojekt namens „Papergirl Linz". Meine Damenkleidermacherinnenlehre, hab ich für dieses Jahr auch unterbrochen, obwohl nur mehr wenige Monate bis zu den Damenkleidermacher*Innenabschlüssen fehlen. All das soll nur eine Einleitung sein um meinen Zustand zu erklären.

Ich habe also stress….

Und bei Stress bekommt man alles mögliche:

Blasenentzündung, Nierenentzündung und Pickel zum Beispiel.

Wegen der Blasenentzündung hab ich Antibiotika bekommen und die Weisen ich soll in den nächsten zwei Wochen „Männer meiden". Der Arzt ist ein ende 30 jähriger Mann, der einzige Mann in der Praxis, seine Assistentinnen sind alle Frauen. Der alten Dame, der er neben mir hinter einem Vorhang Geschwüre entfernt sagt er, sie würde mit dem Alter „immer schöner". Ich wundere mich über den Doktor'schen Sexismus, der mir nie so stark bewusst war. Ich war auch letztens beim Zahnarzt. Die Sprechstundenhilfen meines Zahnarztes tragen alle Pinke Blusen und rosa Mundschütze, während er einen blauen trägt. Bevor er in meinen Mund greift- nein, das ist nicht gelogen- lässt er sich von einer seiner pink gekleideten Assistentinnen den Plastikhandschuh anziehen.

Die Pille

Wegen der Pickel hat meine Hautärztin gemeint ich soll doch Die Pille nehmen. Jetzt hab ich seit Jahren grauenvolle Regelbeschwerden und nehme die Pille nicht, weil ich mit den Hormonwahnsinn nicht antun möchte und muss jetzt mit der Hautärztin diskutieren, warum ich sie wegen blöden Pickeln nicht nehmen will. Sie meint „Sie nehmen die Pille noch nicht?" schaut mich verständnislos an und sagt: „Aber das ist doch ohnehin praktisch, sie sind ja jetzt in einem Alter, wo es ohnehin Sinn macht zu verhüten". Ich bin in einer seltsamen Gesellschaft. Die einzige Alternative, die sie mir anbieten kann, nachdem ich mich geweigert hab die Pille zu nehmen, ist eine Salbe, von der meine Haut, eine Halbe Stunde nach dem Auftragen beginnt weiß zu werden und abzublättern. Das zweite Medikament gegen Pickel darf sie mir nicht verschreiben, weil es nur unter der Gewährleistung, dass ich auch tatsächlich nicht schwanger werde verschrieben werden darf, und die ist nur hergestellt, wenn sie mir zusätzlich die Pille verschreibt.

Mein Gynäkologe sieht mich nicht wirklich an. Er meint die Pickel sind ganz sicher hormonell, aber er hat eine Idee, ich könnte die Pille nehmen, dann würde alles wieder gut. Immerhin scheint er mit meiner Entscheidung, die Pille nicht nehmen zu wollen eher klar zu kommen, als die Hautärztin. Er nickt nur und meint, es sei meine Entscheidung, helfen könne er mir bloß nicht.

Einige Tage später fällt mir das Berliner Girlzine „brav_a" in die Hände. Die Schreiber*Innen dort haben verschieden kontroverse Beiträge zum Thema Pille gesammelt. Mädchen erzählen von ihren Erfahrungen mit der Pille und nach dem Absetzen der Pille. Viele nehmen sie wegen ihrer Haut und nach dem Absetzten sieht die Hut schlimmer aus, als vorher. Einige erzählen von emotionaler Unkontrollierbarkeit. Viele nehmen stark zu. Der Beitrag, indem eine Frau schreibt, dass sie findet, die Pille sei für sie das angenehmste Verhütungsmittel gewesen, berührt mich wenig, weil ein Verhütungsmittel hab ich nicht gewollt, gewollt hab ich ein Mittel für meine Haut. Ich bin froh, dass ich sie nicht nehme, weil das eine Entscheidung ist, von der ich finde das sie zu wenig publik gemacht wird. Viele Mädchen bekommen sie nur wegen ihrer Haut verschrieben und manche werden sexuell Lustlos oder auf einmal treten plötzlich Stimmungsschwankungen oder Depressionen auf.

Eine Mitschülerin von mir erklärt mir, dass sie die Pille nicht nehme, weil die Hormone der Pille ins Abwasser kommen. Auf dieStandard.at , lese ich „dass in dicht besiedelten Gebieten bis zu 100 Arzneistoffe in Gewässern nachgewiesen worden seien. Sie kommen mit dem Harn der Patientinnen bzw. Benutzerinnen der Anti-Baby-Pille ins Abwasser."

Auf Wikipedia steht: „Diese Form der Umweltverschmutzung hat nachweislich Auswirkungen auf das Ökosystem. Nachgewiesen sind Effekte auf Wasserlebewesen, einschließlich Fische, Frösche und Zooplankton. Die Feminisierung von männlichen Fischen bis hin zum Produzieren von Eiern ist ein bekannter Effekt. Auch lassen sich Veränderungen bei weiblichen und männlichen Fischen an Niere und Leber feststellen sowie eine Verlangsamung des Fortpflanzungszyklus."

Tja. ok. Ende. Ich will nichts verteufeln und ich finde Super dass es sie gibt, die Pille. Wenn ich verhüten wollen würde, vielleicht würd ich sie auch nehmen.