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Die ärgsten Sommerhits
Derzeit werde ich auf der Arbeit den ganzen Tag über mit Ö3 beschallt. Am Anfang fand ich es super, denn ich bin ein Fan von Popmusik und im Fitnessstudio läuft ebenfalls ein Popbeats-Nonstop-Sender, der mich motiviert. Die Arbeit ist geistig nicht anstrengender als Radfahren, also fand ich es zu Beginn spannend, nur Chartsmusik zu hören, von Lady Gaga und Alicia Keys und so weiter, aber auch viel unbekanntes. Nervig waren irgendwann vor allem die Wiederholungen, denn alle zwei Stunden schien das Programm einfach von vorn zu beginnen.

Ich hörte also ziemlich schnell heraus, was der Sommerhit 2013 war, nämlich Robin Thickes "Blurred Lines" (ich musste den Namen recherchieren, ich ging davon aus, es wäre ein Seitenprojekt von einem Typen von LMFAO oder so). Ziemlich cooles Lied, von Pharell Williams produziert und eingängig. Von den Lyrics hört man beim Arbeitsplatz doch relativ wenig durch die reduzierte Lautstärke, ich vernahm nur immer ein bis zehn Zeilen "I know you want it" – da kann es ja um alles gehen, Eis zum Beispiel. Aber dann wollte ich es doch genauer wissen und surfte zuhause mal bei youtube vorbei um das Video zu sehen. Ich traute meinen Augen nicht.

Drei männliche Musiker (der Sänger, der Produzent und ein Rapper) und drei weibliche Models (oder whatever) mit nacktem Oberkörper und hautfarbenem String haben Spaß. Mit ein paar Utensilien (ein Hase, ein Feuerzeug, Instrumente, …) wird herumgetan und sonst passiert eigentlich nicht viel. Es sind durchgängig die Männer komplett angezogen und die Frauen nackt. Die Interaktionen sind alle so absurd dumm, dass man sich fast nicht aufregen möchte, aber in Kombination mit den Lyrics wird es dann doch arg. In dem Song geht es nämlich darum, wie ein "gutes Mädchen" "es will". Man kann sie nicht "domestizieren", denn sie ist ein "Tier", welches vom Sänger "befreit" werden kann, schließlich ist sie "die heißeste Schlampe am Platz". Der Rappart beschreibt, wie sie den Arsch entzwei gefickt bekommt, er ihr endlich den Arsch versohlt und an den Haaren zieht, was bisher kein anderer geschafft hat. Und immer wieder das besagte "I know you want it" – ein untrügerisches Zeichen dafür, dass hier nicht verbal ein gegenseitiges Verlangen geäußert wurde, sondern eine typische Vergewaltigungsrechtfertigung wie ein Mantra gesprochen wird – sie wollte es ja auch!

Indeed, der Song ist eine (Date-) Rapefantasie sondergleichen. Und selbst wenn man das nicht aus den Lyrics heraushören will, ist es immernoch ein extrem sexistischer, degradierender Song, der durch das Video noch zehn Level draufgibt. Warum gerade Allmachtsfantasien so große Sommerhits werden, kann man nur vermuten: die Mädchen sind alle aufreizend angezogen, mit Hotpants und Miniröcken, sie laufen willig durch die Straßen aber wollen es nicht zugeben. Bei hohen Temperaturen sieht man mehr Fleisch und wird öfter dran erinnert, dass man Sex will. (Ist das so?)

Im übrigen ist eigentlich auch der andere Pharell Williams Song des Sommers, "Get lucky", irgendwie in die Richtung: der Text beschreibt die Urkraft der Welt, die den Planeten weiterdrehen lässt und die man verehren sollte. Zuerst heißt es daraufhin sinngemäß "sie will Spaß, ich will bumsen", dann am Ende immerhin "wir sind wach und wollen bumsen". Ganz frei habe ich das jetzt übersetzt, denn vielleicht heißt "get lucky" in diesem Zusammenhang etwas ganz anderes als bumsen, aber vielleicht auch nicht.

Eine Liste zum Schluss: die drei schlimmsten, ärgsten Sommerhits aller Zeiten:

3) Mr. Boombastic von Shaggy

2) Lou Begas "Mambo No. 5″

1) Robin Thicke "Blurred Lines"

Bussi und noch einen schönen Sommer!