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Freiheit ist die einsicht in die notwendigkeit
oder von der problematik in der monogamie zu stecken und sie irgendwie zu wollen der versuch einer selbstreflexion

mir ist klar dass die norm der monogamie ein konstrukt ist, dass sich eine westliche heteronormative welt ausgedacht hat. und mir ist auch klar, dass das nicht unbedingt die form ist in der sich auch organisierte sexualität frei entfalten kann, dass das ständige beziehen aufeinander problematiken in sich birgt. und trotzdem führte ich so was. vielleicht etwas anders als die norm vorgibt, aber im großen und ganzen blieb es dasselbe.

und dann kam ich in die situation in der meine beziehung, die bislang eine in einverständnis monogam geführte war und das auch bis zum schluss, schwierigkeiten aufzuweisen begann. ich war immer sehr schnell eifersüchtig aber in diesem fall war es etwas anderes. war das einfach nur angst? war das ein besitzanspruch? war das ein verklärtes bild romantischer zweierbeziehungen das sich in meinem kopf konstitutiert hat? meist waren es die anderen rzbs die mich gestört haben, ich selbst konnte gut mit meiner leben, vor allem weil ich bestimmte merkmale fand die sich von anderen abzuheben schienen. vor allem weil wir, und allein dieses wir wird in diesem kontext ja automatisch als zweierkonstellation aufgefasst, eben versucht hatten nicht darzustellen was so viele tun. sie und ich, wir zwei, sahen in uns kein lesbisches* paar dass den anspruch hatte, selbstbewusst als lesben* aufzutreten, wir hatten den anspruch, in unserer zweierbeziehung die wir hatten kein nach außen gerichtetes bild herzustellen dass als monogame, romantische zweierbeziehung reproduziert werden könnte. wir machten uns gedanken über unsere perfomanz. und darin waren wir irgendwie die besten. aber es hat nicht geklappt. weil es eben nicht nur darum geht was wir nach außenhin darstellen sondern auch was wir nach innen praktizieren.

andererseits ist es bereits reproduktiv dass ich hier überhaupt darüber schreibe.

waren wir wirklich eines dieser „paare", die reflektiert damit umgehen haben können? was hatten wir zwei verinnerlicht, nie ausgesprochen, nie reflektiert, nie gespürt? war es schlussendlich nur noch mehr die definition des „zusammenseins" die sie und ich uns in den jahren davor erarbeitet hatten, das was uns auf einander bezog und/oder anzog? und was für eine bedeutung, was für ein gewicht hat ein „schlussmachen" in diesem kontext, wenn dieser als klarer bruch angesehen werden kann und zur folge hat das alles was nach ihm kam für mich diametral zu dem stehend was die beziehung ausmachte empfunden wird?

es ist nicht so das ich mir diesbezüglich nie gedanken gemacht hatte, nur stand ich in einer situation in der die beschaffenheit (beschaffenheit klingt so schrecklich naturalisierend und nach universaler konstante) meiner beziehung unter einer bestimmten dringlichkeit neu überdacht werden musste. und ich fragte mich ob ich das überhaupt konnte. und ich frage mich bis heute ob eine nicht-monogame lösung das ist was ich mir für mich wünsche.

ich glaube dass es problematisch ist, dass so viele annehmen monogame beziehungen wären nicht in der lage queer zu sein. „mit ‚queer' wird auf unendlich gehaltene definitionsmöglichkeiten ebenso abgezielt wie auf die verunmöglichung endgültiger und universeller definitionen." hab ich heute gelesen, ist auch meine erste erfahrung mit einer ein-satz-erklärung von queer mit der ich halbwegs zufrieden bin. es erklärt sich denk ich angesichts dieses satzes recht gut inwiefern monogame definitionen von beziehungen eine art von acting queer darstellen können, es erklärt sich in dieser definition aber auch dass sich das verändern kann. und das war mein problem. ich wollte das nicht.

es kratzt sehr an mir. aus vielerlei gründen. weil meine angst vor einem „betrogen" werden andere hemmte auszuleben was sie sich wünschen, im grunde aus „rücksicht" zu mir. und weil das eine position ist, in der ich, ob ich will oder nicht freiheiten nehme. ich denke nicht dass es viele beziehungen gibt die auf einer absoluten freiheit aufbauen können. Schon allein einfache rollen die man in beziehungen, und das müssen auch gar nicht sexuelle sein, einnimmt führen zu regelungen die vielschichtig angewendet werden können. diese müssen jedoch nicht automatisch normativen mustern folgen. damit meine ich dass auch „queere" konstellationen von organisierter sexualität einer bestimmten korrelation unterliegen die gebrochen werden kann. einschneidend bleibt für mich das erlebnis einen anderen menschen in grundlegenden freiheiten zu beschneiden.

„freiheit ist die einsicht in die notwendigkeit" hat hegel gesagt. ich hätte diesen satz sehr gerne auf meine situation bezogen, ihn zu einem leitmotiv für folgende schritte gemacht. der satz klingt sehr schön, und er klingt so als würde er mich verstehen und das problem lösen können. leider bedeutet der satz, der ja in einem gewissen kontext gefallen ist der gerne vergessen wird, nicht mehr als das wir menschen nicht triebgesteuerte wesen sind, sondern uns natur (und schon die wird ja von uns coolen queer-feminist_innen als konstrukt enlarvt) fortschreitend zu eigen machen was zu einer andauernden umwälzung führt was ganz im marxistischen sinne produktionsverhältnisse und die damit verbundenen individuellen freiheiten reguliert. die einzige freiheit die mir im moment blieb war die einsicht dass es so nicht weiterging. nicht jeder schöne satz ist eine erklärung. auch wenn ich gerne so einen hätte.

meine beziehung war oder ist ein politikum. und ich werde nicht aufhören es als ein solches zu betrachten. allerdings ist es ein politikum das wie kein anderes bei mir mit so vielen emotionen verbunden ist, die in der lage sind mich zu verletzen.

ich werde wohl keine gründe finden die mir eine legitimation verleihen monogamie hochzuhalten. das ist auch gut so. aber das soll nicht nach einer selbstgeiselung einer feministin* klingen die ihren „idealen" nicht gerecht werden kann. auf was ich jedoch hinauswill ist, dass ich es im moment emotional nicht schaffen würde, eine nicht-monogame beziehung zu führen. damit muss auch gar nicht die als pendant zur monogamie wahrgenommene polygamie gemeint sein. und ich frage mich immer noch das selbe was ich mich am anfang fragte.

ich hatte angst verlassen zu werden, ich hatte angst meine position zu verlieren, auch bestimmte privilegien die mit dieser position verbunden waren. Ich hatte angst vor verlusten in der persönlichen nähe, der zutraulichkeit, der sexuellen ebene. ich hatte angst davor in keinster weise kontrolle über die situation zu haben. und was ist das? was bleibt mir? was soll ich machen? im endeffekt zeigt sich dann ja doch all diese theorie nur in dem was ich tue.