~
Ich habe einen Pick Up Artist auf Facebook geblockt
Ich liebe die Blockfunktion auf Facebook. Eine wunderbare Erfindung. Jemand spült mir Fatshaming ins Feed? Rassismus? Ich möchte einfach nicht, dass jemand meine Kommentare, die ich auf anderen Profilen hinterlasse, liest? *block* Ur praktisch. Aus den Augen, aus dem Sinn! Situationen wie diese lassen sich durch die Blockfunktion drastisch minimieren:

Vor kurzem habe ich zum ersten Mal tatsächlich zum Zwecke des Kontaktabbruchs geblockt. Wir waren Schul-BFFs, wir hatten viel Spaß und ähnliche Zugänge zu diversen Themen. Wir haben uns nur selten gesehen, weil wir in verschiedenen Städten wohnten. So einmal im Jahr etwa, dann war es immer sehr lustig.

Dann habe ich über eine Ecke erfahren, dass er Pick Up Artist ist. Er wollte eine mir sehr nahestehende, männliche Person rekrutieren, hat ihm allen ernstes seine Bibel namens „Lob des Sexismus: Frauen verführen, verstehen und behalten" (ich verlinke das jetzt absichtlich nicht, aber aus dem Klappentext: (…weshalb die Gleichstellung der Geschlechter an der Schlafzimmertür enden sollte…) ans Herz gelegt. Zum ersten Mal intensiver mit dem Thema Pick Up Artist hab ich mich nach einem Blogbeitrag von antiprodukt (+weiterführende Links) beschäftigt und es hat mich auf eine absurde Weise sehr fasziniert. Es ist generell nicht nett, Menschen falsche Tatsachen vorzuspielen, um sie ins Bett zu bekommen, aber Pick Up Strategien sind noch mal eine ganz andere Kategorie. Hier wird mit Elementen aus NLP gearbeitet, mit Pseudopsychologie, Komplimente und Herabwürdigungen wechseln sich ab, um die Frau* zu brechen. Die Grundlage dafür, sind zutiefst sexistische, steinzeitliche Vorurteile und Rollenbilder. Die Artists organisieren sich on- und offline um Erfahrungen auszutauschen und zahlen Geld, um in Workshops neue Manipulationsskills zu lernen. Das Vorgehen nach Pick Up Regeln ist keine herkömmliche arschige Aufrisstechnik. Es ist schlicht und einfach organisierter, emotionaler Missbrauch.

Um den Text mit noch einem xkcd-Bildchen abzuschließen: Für dich, du armes Würstchen! It won't help!