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Muttiblog: Badass Breastfeeding
Die Stillregeln hierzulande gehen ungefähr so: wenn eine nicht oder nicht volle sechs Monate stillen will, ist sie ein egoistische Rabenmutter, stillt sie hingegen über den ersten Geburtstag des Kindes hinaus, ist sie eine perverse Glucke. Nachdem es also nur falsch gemacht werden kann, ist es auch schon egal, wie eine es handhabt.

Für mich war immer schon klar, das sich sehr gerne stillen mag und vermutlich auch länger als der österreichische Durchschnitt. Geworden sind es knappe zweieinhalb Jahre. Rund um den zweiten Geburtstag habe ich nächtliche Trinkpausen (meist so 1-2x pro Nacht) abgeschafft, letzte Woche wurde konsensual der letzte Schluck getrunken. Ich freu mich, dass es vorbei ist und ich freu mich auch, dass es so war wie es war. Je nach Bezugsgruppe wird ab einem gewissen Zeitpunkt von „Langzeitstillen" geredet. Ich finde diesen Begriff doof, impliziert er doch, dass es auch sowas wie „Kurzzeitstillen" und „Normalzeitstillen" geben müsste. Ausserdem ist er absolut eurozentristisch. Die weltweite Durchschnittsstillzeit liegt bei vier Jahren.

Mein Lieblingsstillbild via

Diese Ära ging nun zu Ende und ich möchte den Zeitpunkt nutzen um mit ein paar Mythen, mit denen ich immer wieder konfrontiert wurde, aufzuräumen.

„Eine längere Stilldauer lässt sich nicht mit Berufstätigkeit vereinbaren."
Zugegebermaßen, während der Vollstillzeit, also wenn das Baby noch keine andere Nahrung zu sich nimmt, stelle ich mir das mühsam vor. Wer im Bürokammerl abpumpt (bei nicht-atypischen Arbeitsverhältnissen gibt es einen Rechtsanspruch auf 90 Minuten Abpump- oder Stillpausen pro 8-Stunden-Tag): Respekt. Ich war keine große Freundin des Abpumpens. Wahlweise ist es aber auch kein Problem, wenn andere Betreuungspersonen das Kind anders ernähren und sich andere Wege zum Beruhigen ausdenken. Fläschchen mit Pre-Milch oder Wasser (wenn das Kind schon älter ist) und Tragetuch sind hier heisse Tipps. Außerhäusliche Lohn-, Kultur oder Sonstwasarbeiten auszuführen ist auch für Stillende möglich. Mit etwa einem Jahr essen die meisten Kinder schon viel feste Nahrung, dann ist das sowieso kein Thema mehr, gestillt wird eben wenn es gut passt und beide beteiligten am selben Ort sind.

„Stillkinder sind mamafixierter."
Es gibt keine Garantie darauf, dass nichtgestillte Kinder nicht mamafixiert sind. Es gibt Stillkinder, die phasenweise andere Betreuungspersonen favorisieren. Kinder funktionieren überhaupt oft nicht so, wie man es gerne hätte.

„Stillende müssen in Askese leben."
Während sich offizielle Stellen zum Thema Drogen meist bedeckt halten, werden die Infos unter der Hand von Stillberaterinnen weitergegeben. Ich las von einer IBLC folgendes: wenn eine so besoffen ist, dass sie vergisst, dass sie ein Kind hat, dann sollte sie lieber nicht mehr stillen. Nicht ganz so radikal fomuliert es Kellymom: wer Autofahren kann, kann auch Stillen. Kaffee ist in Ordnung, idealerweise maximal 2-3 Tassen pro Tag. Frauen, die es nicht schaffen nicht zu rauchen, können trotzdem stillen. Was Kiffen und Stillen betrifft: hierzu kursieren naturgemäß unterschiedliche Thesen. Hauptsächlich wird vor der eingeschränkten Betreuungsfähigkeit im berauschten Zustand und vor schädlichem Passivrauch gewarnt. Bei allen Substanzen gilt: es ist ein Unterschied ob es sich um einen voll gestillten Säugling oder um ein ab und zu schlürfendes Kleinkind handelt.

„Stillende dürfen keine Medikamente nehmen und müssen bei Krankheit leiden."
Uninformierte Ärzt_innen und die meisten Apotheker_innen verweigern oft die Herausgabe der meisten Medikamente, da diese offiziell für Stillende nicht zugelassen sind. An Schwangeren und Stillenden dürfen keine randomisierten Studien zur Arzneimittelsicherheit durchgeführt werden, trotzdem ist nicht zu befürchten, dass viele Wirkstoffe und Medikamente Schäden anrichten. Die unabhängige Website Embryotox sammelt sichere Präparate: es gibt stillverträgliche Antibiotika, Antidepressiva und Antihistaminika. Ich hab mir oft vorher das passende Medikament herausgesucht und es bei der Ärztin geordert. Dass ich stille, habe ich nicht erwähnt.

„Langzeitstillen macht den Busen hässlich."
Man seht dem Busen an, ob eine Frau* schwanger war, nicht aber, ob und wie lange gestillt wurde. Durchschnittliche Brüste sehen übrigens so aus, get over it!

„Langzeitstillende tragen Birkenstocks."
Ui, got me! Ich habe tatsächlich ein Paar silberne Birkenstocksandalen. Ich habe aber auch Saltwater Sandals, Doc Martens und High Heels.

Mützen zum unauffälligen Stillen in der Öffentlichkeit gibts via Etsy oder zum Selberhäkeln.

Stillberaterinnen gibts von der LLL, vom VSLÖ und von der AFS (Protipp: Wer in der Schwangerschaft vor hat, nachher zu stillen, tut gut darin, immer die Nummer einer Stillberaterin bei der Hand zu haben).

Und sonst so?
Fuck yeah breastfeeding
Hey Facebook, breastfeeding is not obscene
Breastfeeding Photos On Instagram Get ‚The Leaky Boob' Disabled, Then Reinstated
Bluemilk, Kategorie: breastfeeding
Fathers who breastfeed

Zum Schluß noch: dieses Video erzeugt bei mir sein seltsames Gefühl, eine Mischung aus starkem Fremdscham und Niedlichfindung (und das mit den Kühen hätten sie sich absolut sparen können) aber es ist ist zu lustig, um es nicht zu teilen: