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Muttiblog: „Bub oder Mädchen?" Wenn Eltern einkaufen gehen
Ich bestelle so gut wie alles, was möglich ist, online. Erstens weil das Informationen sammeln im Netz irgendwie sympathischer und pluraler möglich ist und weil ich mich nicht diesen unangenehmen Verkaufssituationen aussetzen muss. Aber beim Baby-Kindersitz dachten wir, na gut, vielleicht ist so eine Beratung im Geschäft wirklich sinnvoll. Gleich die erste Frage im Geschäft lautet dann: „Bub oder Mädchen". Verwirrte Blicke, fragend: „Wieso?" – „Na wegen der Farbe". Autositz haben wir dann keinen gekauft.

Unerfahren wie ich in elterlicher Hinsicht bin, fehlt mir irgendwie die Gelassenheit, um mit diesen Situationen umzugehen. Entnervt und irgendwie traurig darüber, wie rigide die Geschlechterdifferenz schon bei Babies inszeniert werden muss, erzähle ich gleich Carla davon, die von ähnlich demprimierenden Geschichten erzählt. Wir haben mal ein paar Situationen gesammelt, in denen Schwangere und Eltern einem verkäuferischen Normen- und Geschlechterkorsett ausgesetzt sind, das wirklich nur schwer zu ertragen ist und weder gut für Eltern noch Kinder sein kann:

(I) In einem späteren Schwangerschaftsstadium machten wir uns auf, um mit den Windelgutschein der Stadt Wien Stoffwindeln zu kaufen (weil wir ja Supereltern sind). Im kleinen Laden schauen wir uns sämtliche Modelle und Systeme an und wählten eins aus. Die Verkäuferin frage uns, ob wir einen Buben oder ein Mädchen bekommen. Ich zögerte, weil wir offiziell so taten, als würden wir es nicht wissen. Wir wollten es eigentlich auch gar nicht wissen und die Genitalen des Kindes und dazugehörigen zukünftigen Verhaltenszuschreibungen zum Smalltalk-Thema machen, aber es passierte drei Mal, dass sich die Frauenärztin verplapperte, obwohl in meiner Akte ein Post-It, auf dem „Kein Geschlecht!!!" stand, klebte. Die Frage klang so relevant, ich dachte naiverweise, dass es vielleicht fürs Windelmodell eine Rolle spielen könnte, weil ja durch den anatomischen Unterschied das Pipi anders verteilt wird. Dann ging es allerdings nur die Farben der Überhosen. Hmpf.

(II) Als das Kind schön langsam Anstalten zum Sitzen machte, kauften wir einen Hochstuhl. Als Supereltern natürlich den Klassiker: den Stokke Tripp Trapp. In grau, weil grau eine sehr schöne Farbe ist und den dazugehörigen Plastikgurt für kleine Kinder in rosa, weil rosa auch eine sehr schöne Farbe ist und gut zu grau passt. Am günstigsten gab es diese Teile im Wiener Traditionskinderzubehörtgeschaft Dohnal. Die Verkäuferin wies uns darauf hin, dass wir unsere Farbwahl eventuell überdenken sollen, weil das zweite Kind (welches zweite Kind?) ein Bub werden könnte und dann müssten wir extra den Plastikeinsatz nachkaufen. Was blieb, war Sprachlosigkeit. Was soll man auf so etwas sagen?

(III) Wieder im Dohnal, das Kind brauchte nun Pyjamas. Ich war schon ein bisschen gewappnet und über meine gute und spontane Antwort freue ich mich noch heute. „Ich suche Pyjamas in Größe 86." „Bub oder Mädchen?" „Haben die für Buben einen Penisauslass oder wo ist der Unterschied?" (Na gut, so super war die Antwort jetzt gar nicht, aber eine adequate Strategie für solche Situationen habe ich bis heute nicht.)

(IV) Als wir nach einem Beistell-Bett fragen, das nicht nur für drei Monate geeignet ist, kommen wir gleich auch in den Genuss einer Erziehungsberatung à la Kika: „Wie lange soll denn das Kind bei euch im Zimmer schlafen?" Das haben wir uns noch gar nicht so genau überlegt: „Puh, keine Ahnung, aber wahrscheinlich schon mal ein Jahr oder so". Das will die Verkäuferin nicht unkommentiert stehen lassen: „Na viel Spaß, die kriegst nie wieder raus aus dem Bett, die verstehen das sofort. Meine Tochter hat vom ersten Tag an im eigenen Bett geschlafen, heut ist sie 16 und sie hat's auch überlebt". Über Beistellbetten wissen wir nach wie vor recht wenig.