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Muttiblog: Studieren mit Kind
Diskriminierung von Müttern mit Kind im Berufsleben kenne ich eher aus der Theorie, was aber schlicht daran liegt, dass ich bislang sowieso prekär beschäftigt bin und sich die Probleme da ganz anders gestalten. Dass es kaum sinnvolle Teilzeitanstellungsverhältnisse gibt und dass der Trend zu „Vollzeitjob statt Teilzeitfalle" (für mich eher eine gruselige Drohung) geht, ist mir dennoch aufgefallen.

Mein bis vor kurzem einziges Erlebnis diesbezüglich, fand am waff-Nova statt (die fördern die (Re)integration von Kinderbetreuungsgeldbezieher_innen ins Berufsleben), in der mir meine Betreuerin nahe legte, in meinen Lebenslauf zu schreiben: „eine Tochter, geboren 2011, Kinderbetreuung gesichert!!! " (und zwar genauso, mit unterstrichen und Rufzeichen). Keine Ahnung, ob eine das wirklich usus ist, mein ästhetisches Auge hält mich auf jeden Fall schon davon ab, sowas zu machen.

Vor nicht allzulanger Zeit beschloß ich spontan, dass ich längerfristig doch lieber einen familienfreundlichen und krisensicheren Beruf haben will (man hat mir offenbar lange genug sämtliche Altersarmut-Horroszenarien vor Augen geführt) und warf mich in das Aufnahmeverfahren einer Wiener Hochschule. Ich bestand alle möglichen Bereiche des Eignungsverfahrens, am Ende musste ich noch ein „psychologisches Beratungsgespräch" absolvieren. Dort wurde ein bisschen geplaudert, ich erwähnte, dass ich ein zweieinhalbjähriges Kind habe, es war in dem Fall schließlich nicht irrelevant für die Wahl des Studiums. Dann wurde ich hinausgeschickt und nach ein paar Minuten wieder hineingeholt. Die Prüfer_innen offenbarten mir, dass sie mich auf jeden Fall für geeignet halten ABER… Es prasselte ein minutenlanger Monolog auf mich ein, in dem mir erklärt wurde, dass ein Studium mit Kind (und Job) schier unmöglich ist, dass Kinder gerade in der Anfangszeit in Kinderbetreuungseinrichtungen immer krank sein werden und dass ich mir unbedingt ein doppeltes- und dreifaches Netz an Notfallbetreuungspersonen schaffen muss, weil ich sonst schnell rausfliege. Es waren keine netten Ratschläge, ich musste mich am Ende beinahe dafür rechtfertigen, dass ich es überhaupt gewagt habe, mich unter diesen Umständen zu bewerben.

Seriously, ich bin bestimmt nicht die erste Studentin mit Kind auf dieser Welt, ich habe mich nicht für eine Führungsposition beworben und selbst dann wäre es doch meine Sache, wie ich das mit meinem restlichen Leben organisiere (und wie lange ich letztendlich für das Studium brauchen werde ist doch auch vollkommen mir überlassen). Der Kindesvater hatte, als ich schwanger wurde, einen Dreiviertelzeitjob und zwei begonnene Studien (mittlerweile beide abgeschlossen) und hat bekam niemals auch nur von irgendjemanden den Ratschlag, dass er kündigen soll oder abbrechen (ausser von mir).

Ich hoffe sehr stark, dass ich aufgenommen werde (es gibt zu wenige Studienplätze, nicht alle, die das Eignungsverfahren geschafft haben, werden auch aufgenommen), wenn nicht, kann ich mir wohl ausdenken warum.