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Papergirl, ein Projekt in dem Kunst verschenkt wird
Vor ca. drei Monaten hat sich ein kleines Frauengrüppchen gebildet, das ein „Papergirl"-Projekt in Linz durchführen wollte.

Die Idee zu Papergirl stammt aus Berlin. Papergirl Projekte gibt es in der Zwischenzeit überall auf der Welt. Der Ablauf eines solchen Projekts besteht aus drei Schritten: dem Kunst-Sammeln und dann Kunst-ausstellen und zum Schluss Kunst-verschenken.

Eine Alternative zu Streetart

Die Idee war eine Alternative zu Streetart zu finden, bei der sich niemand ärgern soll. Streetart ist eine großartige Sache, Botschaften, Bilder und Grafiken sind von Künstler*Innen frei auf der Straße zur Verfügung gestellt worden und das Publikum ist kein Ausgewähltes Kunst affines Superspezialpublikum, sondern es sind die ganz normalen Alltagsmenschen, die was davon bekommen. Der Nachteil: Irgendwer hat sich immer wegen „Beschmutzung" aufgeregt, immerhin hat man ja nicht vorher bestimmen können was an die eigene Hauswand, oder Gartenzaunmauer gesprayt wird. Das führt dann zu längeren Problemen und viele Menschen bekommen Schiss davor ihre Arbeiten mit der Welt zu teilen. Streetart ist jetzt also nicht mehr nur ein „schaut-was-mir-schönes-einfällt" sondern auch ein „schaut-mal-wo-ich-mich-hinkritzeln-traue". Selber bin ich schon mal in England von Kameras beim Malen gesehen und wegen „radical vandalism" verhaftet worden. Ich hab mich nur mit geschicktem Reden an der Vorstrafe vorbeigezwängt und hab jetzt ein wenig Angst vor Malen in öffentlichem Raum.

Wie das bei Papergirl funktioniert

1. Zuerst werden Arbeiten gesammelt: Durch Ankündigungen im Internet wird auf die Aktion aufmerksam gemacht. Bis zu einem bestimmten Datum können jegliche rollbare Arbeiten per Post oder persönlich eingereicht werden.

2. Sind die Arbeiten erstmals gesammelt, werden sie uneditiert in einer öffentlichen Ausstellung gezeigt. Alle Einreichenden*, egal wie erfahren oder nicht-erfahren, können also Teil einer Ausstellung sein. Papergirl Projekte gibt es in aller Welt. Durch die gute internationale Vernetzung gelingt es meistens einen Haufen Arbeiten aus dem Ausland.

3. Der letzte Schritt ist das Verschenken. Am Ende der Ausstellung werden alle Arbeiten in große Papierrollen verwandelt und von einer Gruppe radelnder Menschen an überraschte Passant*Innen verschenkt. Die Idee des vom-Fahrrad-aus-verteilens ist aus dem Wunsch entstanden möglichst schnell entscheiden zu müssen, wem die Arbeiten Geschenkt werden. So kommt Kunst auf die Straße, Papierrollen in die Hände von Menschen die es nicht Erwartet hätten und vielleicht künstlerische Arbeiten an Wohnzimmerwände von Menschen, die sich selbst vielleicht Kunst für zuhause nie leisten würden. Jedes Geschenk ist ein Unikat.

Was in Linz passiert ist

In Linz hat sich ein Grüppchen von fünf Frauen gebildet. Es wurden Presseaussendungen gemacht und es wurde Social genetworked. Es gibt eine Website und in der Zwischenzeit hängt auch schon eine Ausstellung.

Das Linzer Papergirl hat einen frauenpolitisch aktiven Background. Es ist mit dem Bündnis zum Internationalen Frauentag am 8. März "Feminismus & Krawall" aufgewachsen. Darum interessiert sich Papergirl Linz natürlich auch für künstlerische Arbeiten und Gestaltung, die eine feministische Haltung vertreten.

Bis jetzt wurden Arbeiten gesammelt und als bunter Haufen eine Ausstellung gehängt. Es kamen Einsendungen von Drucker*Innen, Zeichner*Innen, Fotograf*Innen, Grafiker*Innen und Illustrator*Innen. Papergirl Linz bekam Post von Freistadt bis Hamburg, von Irland bis Argentinien.

Diese Arbeiten stellt Papergirl Linz im Augenblick in der Kunstuniversität Linz am Hauptplatz aus. Die Eröffnung ist mir Saus und Braus, Musik von der Band Schapka (http://schapka.bandcamp.com/track/ja-ne-budu-schenitsja) und Dj Frau Letschnig.

Alle die wollen können jetzt noch in die Ausstellung kommen und dort Arbeiten anfertigen und selbstständig an die bunten Wände hängen.

Am 8. März werden die Arbeiten, im Rahmen des internationalen Frauentags, wie Zeitungen gerollt und dann per Rad verschenkt.

Bis es so weit kommt gibt es noch ein paar kleine Dates mit Papergirl. Der "mach-dir-deinen-eigenen- Fahradsattelschoner-aus- alten- Planen- Workshop" am 1.3. um 15.00 in der Kunstuniversität Linz und die Buchpräsentation des Buches "Arbeiten am Unterschied, Eingriffe feministischen Theorie" von Gudrun Axeli-Knapp, am 6.3 um 19.00 in der Kunstuniversität Linz. Bei allen Aktionen kann natürlich mitgemacht werden und wer jetzt schon Lust auf Verteilen hat, melde sich bei Papergirl Linz.