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Vegan Maran oder: Meckern auf hohem Niveau
In meiner Traumwelt pflanze ich mein Obst und Gemüse im Garten an und tausche mit Freund_innen in unseren Kooperativen hergestellte Lebensmittel. Im Real Life gehe ich zum Merkur (nahe), zum Hofer (billig) und zum dm (beste Auswahl an nicht extrem teuren Bio-Produkten). Fancy Spezialsachen bestelle ich im Internet. Selbst das Bio-Kistl überforderte mich ob seiner Unvorhersehbarkeit des Inhalts und wurde schon mehrmals aus meinem Leben verbannt.

Sehr gefreut hab ich mich, als ich hörte, dass ganz in der Nähe meines sozialen Wohnungsbaus, nur unwesentlich weiter als der nächste Hofer, ein Veganz aufsperren soll. Den Veganz habe ich vor zwei Jahren in Berlin besucht und war schwer beeindruckt von der paradiesischen Produktauswahl und dem dazugehörigen Bistro mit den pompösen Torten und den leckeren Bagels. Als Sojaallergikerin habe ich dort den ersten und einzigen Hafermilch-Karamel-Macchiatto gekauft.

Das vegane Drama, dass dann folgte, habe ich am Rande mitbekommen. Der Investor vom Wiener Veganz, Maran (der seine Biomarktkette vor zwei Jahren an denn's [sic!] verkauft hat) ist abgesprungen und plante seinen eigenen Supermarkt. Maran wirkte in erster Linie opportunistisch denn sympathisch. Auf seinem Facebook-Profilbild raucht er Zigarre und in Interviews sagt er: „Ich bin nicht gern Zweiter, das ist wichtig für mein Ego". Naja.

Zigarre rauchen: ein Sinnbild für Männlichkeit, Macht und Eloquenz

Offensichtlich ein bisschen voreingenommen habe ich mir den Vegan Maran also heute angeschaut und war underwhelmeder als erwartet: vor allem von der Kosmetikabteilung (ein popeliger Lavera-Aufsteller), von der Eisvitrine (es gibt dort nur Booja Booja (das zwar lecker ist, aber das ich mir lieber im Brass Monkey hole) und ein paar Sorbets) und von den Tiefkühlprodukten (Tofurkey habe ich schon fix in meine Weihnachtsplanung für die nächsten 10 Jahre eingeplant). Die Süßwarenabteilung habe ich mir etwas größer vorgestellt, aber immerhin: eine größere Auswahl an Schakalode (meiner Meinung nach die beste vegane Schokolade). Im Bistro gibt es Hollerei-Essen und G'sund-Cakes (wohl eine Abwandlung von Cupcakes, anway: ich mag meinen Kuchen ungesund). Der Rest war: vegane Nudeln, vegane Windeln (?), vegane Limonade, vegane Planzenmilch, veganes Obst und Gemüse.

Nichts, wofür ich einen eigenen Supermarkt bräuchte. Die Preise bewegen sich auf durchschnittlichen (also hohem) Biomarkt-Niveau. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich wiederkomme, ist es doch recht nah, aber mein Gesamtresümee: eher so Meh.

Wie es sich für eine* echte Bloggerin* gehört habe ich meinen Haul fotografisch festgehalten: Cheezly Blue Style, Mini Moos, VBites Gourment Fish Style Steaks, VBites Tuna Style Pâté und Booja Booja Himbeer-Trüffel. Dafür müsste mein Mann eineinviertel Stunden nervige Teenager unterrichten. Zum Glück hat er jetzt Ferien.