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VON DICHTERN UND DENKERN
Früher war mir Feminismus irgendwie verhältnismäßig wurscht, keine Ahnung warum, ich war zwar als Teenager oft in so linksradikalen Kreisen unterwegs (mehr aus Lifestylegründen, weil ich die Leute so intelligent, solidarisch und unabhängig fand und das Bier billig war und das Essen gratis, mein Interesse für politische Theorie hielt sich aber in Grenzen) in denen Feminismus immer ein zentrales Thema war und trotz eines ausgeprägten Gerechtigkeitssinns, war mir die ganze Problematik zwar irgendwie bewusst aber auch nicht so wichtig und Veranstaltungen zu denen nur Frauen erlaubt waren fand ich komisch. Ich habe mich, glaub ich, einfach generell mehr mit Männern identifiziert wie die meisten meiner guten Freundinnen und mich in meinem Freundeskreis und meiner Umgebung nie wirklich diskriminiert gefühlt und irgendwie fand ich's ja auch cool, Typen als Mädchen rhetorisch einzuschüchtern und damit zu beeindrucken, dass ich eben keine typisch weiblichen Verhaltensweisen an den Tag legte. Dass das daran lag, dass alles „typisch Weibliche" in unserer Gesellschaft als uncool abgewertet ist, bzw. Verhaltensweisen sind, die aus Unterdrückung entstehen, war mir halt nicht so klar und auch dass einige meine persönlichen Probleme direkt mit Geschlechterrollen und sexistischen Diskriminierungen zu tun haben. Geändert hat es sich glaub ich dadurch, dass mir beim Autostoppen, als ich den Fehler machte allein bei einem Typen einzusteigen, der ein bissi Psycho war, die Hände mit einem asiatischen Küchenmesser aufgeschlitzt wurden, mit der Absicht mich zum Sex zu zwingen (Er hat dann keinen hoch bekommen wegen dem Blut). Das habe ich überraschend gut weggesteckt. Ich hab nach intensiver Selbstbeobachtung zwar Narben an den Händen und eine verkürzte Strecksehne, aber kein wirkliches Trauma davon behalten, auch das Autostoppen macht mir nach wie vor Spaß. Eine Veränderung, die ich bemerkt hab, war aber z. b., dass ich jedem Typen, der mich seitdem deppert auf der Straße angemacht hat, die Schädeldecke mit einem Baseballschläger zertrümmern wollte und das irgendwie stärker als vorher. Obwohl ich das Ganze nicht mal als sexistischen Akt in meinem Kopf eingeordnet hab, hab ich das Gefühl, dass seit dem mein Interesse, mein Bewusstsein für und meine Wut über sexistische Diskriminierungen, diese ständige Sexualisierung, Abwertung und Mystifizierung von Frauen, um ungefähr 1000% gestiegen ist. Es könnte aber, wie ich ja auch in meinem Umfeld und Medien bemerke, ein allgemein stärkeres Interesse bedingt durch eine allgemeine Übersättigung mit Kot sein.

Naja worauf ich hinaus will ist, hat man erst einmal seinen Blick für Sexismus geschärft, steht man einer unglaublich nervigen Welt gegenüber.

Ich blättere z.b. kaum mehr eine Zeitschrift durch, ohne darauf zu achten, wie viele Frauen und Männer überhaupt abgebildet sind und in welcher Rolle. Am meisten ärgern mich da nicht plumpe Herabwürdigungen wie im HEUTE Magazin oder in der Werbung, sondern dieser ständig präsente subtile Sexismus in Medien mit intellektuellerem Anspruch und SOWIESO ALLES. Von einem Arschloch erwartet man ja auch kein nettes Verhalten, im Gegensatz zu einem Freund, außerdem ist es schwieriger sich gegen subtile Angriffe zu wehren.

MIR GEHT ES JEDENFALLS EBENFALLS WAHNSINNG AM ORSCH wenn ich z. b. an einem Plakat eines Literaturfestivals vorbeigehe und mal wieder ganz zufällig doppelt so viele Männer wie Frauennamen angeführt sehe. Es geht mir auf die Nerven. Ich hab einfach keine Lust mehr auf so einen dummen Scheißdreck.

Als ich auf der Facebookseite beim heurigen „O-Töne Festival" im Musemsquartier also die berechtigte Frage gestellt hab, woran es liegen kann, dass in all den Jahren 54 mal männliche Autoren und nur 32 mal weibliche Autorinnen eingeladen wurde, bekam ich nicht nur eine unverschämt ignorante und respektlose Antwort , mein Posting wurde von der Seite anschließend auch noch entfernt. Aha.

Lesbar isses allerdings noch mit DirektLink, es ist echt witzig: