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Weil Kuchen glücklich macht: Fett & Zucker
Noch bevor ich den Plan hatte, nach Wien zu kommen, hatte ich von Fett & Zucker gehört. Nicht nur, weil ein Teil der Mädchenmannschaft drauf schwört, sondern gab es viele von einander unabhängige Quellen, die mir sagten: Hello, yes, heaven is a place on earth at this café.

Ich pilgerte ohne zu hohe Erfahrungen dorthin (hohe Erwartungen haben mir nämlich das Katzencafé zum enttäuschenden Erlebnis gemacht) und war überzeugt, ohne überhaupt das Lokal betreten zu haben. Cool eingerichtete Schaufenster, ein süßes Türschild, viel Pink: Für meinen Geschmack hätte es kaum noch einladender sein können.

Drinnen lief ein Remix von the xx, die Möbel waren alt und wild durcheinander gewürfelt. An den Wänden hängen queerfeministische Poster und ein Einhorn aus Paketband. Neben der Bar steht ein Regal voller politischer Bücher und Tonträger. Ein Ort, an dem Literatur, Musik, Queerfeminismus und Kuchen gewürdigt wird, ist ein fantastischer Ort. Alle Orte sollten so sein. Ich will in diesem Ort wohnen und ihn niemals mehr verlassen. Das dachte ich, bevor ich überhaupt bestellt hatte.

Die Bedienung besteht aus jungen, queer angehauchten Menschen mit der perfekten Mischung aus Freundlichkeit, Humor und Bitchface. Als eine Person, die es hasst, wenn Türen nicht geschlossen werden, fühlte ich mich mit dem Kellner auf einem spirituellen Level verbunden, als wir beide angepisste Blicke in Richtung Eingang warfen, sobald Leute so herein und heraus marschierten, als würden die Türen sich von selbst schließen. (Spoiler: Sie schließen sich nicht von selbst.)

Anyway. Ein Blick auf die minimalistisch-hübschen Karten öffnete mir unverhoffte Welten: Tee, Kaffee, heiße Schokolade, schicke Limonaden/Trendgetränke, Bier und selbst hausgemachter Likör zu durchaus guten Preisen reihen sich neben Kuchen, Keksen, einem unglaublich geilen Bohnenstrudel und einer kleinen Frühstücksauswahl. Mit einem hohen Prozentsatz an veganen Speisen. Ich probierte alles. Das Bananabread ist saftig und intensiv, der Apfelstreuselkuchen schön sapschig und glückseligmachend, der vegane Cheesecake (sic!) cremig, mit zimtigem Boden und einem Hauch von Orange im Topping. Wie schon erwähnt versetzte mich der Bohnenstrudel mit Lauchdipp in einem Zustand den Tränen nahe, das kleine Frühstück ist auch überraschend gut, obwohl es nur aus zwei Scheiben Toast und zwei Aufstrichen besteht. Die Leute in diesem Laden wissen schon darüber Bescheid, wie aus kleinen Dingen wunderbare Werke gemacht werden können.

Ständig mit voller Blase on tour dauerte es auch nicht lang, bis ich das Klo ausprobierte. Es ist nicht nur unisex, sondern auch pink gestrichen. In der größeren Kabine hängt gegenüber der Toilette ein Ganzkörperspiegel. So kannst du dir beim Pinkeln zuschauen, genau das Richtige für alle, die sich schon immer gefragt haben, wie es für wohl für Leute, die dir auf Augenhöhe deines Schoßes gegenüberstehen und einen (natürlich nur konsensualen!) Blick auf das laufende Urin haben, wohl aussehen mag, dir beim Lulumachen zuzusehen. Auch für Ganzkörperselfies ist der Spiegel perfekt geeignet. Und so cool wie die Leute vom Café sind, haben sie es sich nicht entgehen zu lassen, die sanitären Anlagen mit witzigen Drucken zu verzieren.

Was gibt es noch? W-Lan, Selbstbedienung, DIY-Tischdekoration aus leeren Limoflaschen und Blumen, unterschiedliche Tischkonstellationen (entweder Business-Style mit hohem Tisch und Stühlen oder einen auf Public Livingroom machend mit Sofas und Beistelltischen) sowie alle Speisen auch zum Mitnehmen. Erwähnte ich schon die anti-sexistischen Bierdeckel? Nein? Okay! Es gibt auch anti-sexistische Bierdeckel auf den Tischen. Lieblingscafé in Wien? Lieblingscafé in Wien.